In vielen Kanzleien sieht das Operating System 1.0 so aus: Partner leisten exzellente Mandatsarbeit und „nebenher“ organisieren und führen sie die Kanzlei.
Das Problem? Ihr Fokus liegt dabei meist auf den eigenen Bedürfnissen und dem eigenen Sekretariat. Das funktioniert, solange die Kanzlei klein ist. Aber mit zunehmendem Wachstum wird dieses System zur Wachstumsbremse.
Das Symptom: Der „Software-Krieg“ im Backoffice
Man merkt es spätestens bei der Einführung neuer Tools:
- Jedes Sekretariat hat eigene Abläufe („Das haben wir schon immer so gemacht“).
- Die Software passt scheinbar nirgends. Sekretärinnen können einander nicht vertreten, da die Prozesse unterschiedlich sind.
- Partner lassen sich (unbewusst) vor den Karren spannen und streiten in der Partnerversammlung plötzlich leidenschaftlich über Sekretariatsgehälter oder IT-Features statt über die Strategie.
Die Folge: Stagnation & Fluktuation
Wenn die Komplexität das Management übersteigt, passiert oft Folgendes:
- Fehlsteuerung: Associates und Sekretariate sind ungleich ausgelastet, weil der Gesamtblick fehlt.
- Rückzug: Das Gewinnverteilungssystem wird auf „Pure Merit“ umgestellt, damit man sich bloß nicht mehr abstimmen muss. Oder ein Teil der Partner spaltet sich gleich ab, nur um nach ein paar Jahren in anderen Konstellationen festzustellen: das Problem ist schon wieder da.
- Drehtür-Effekt: Partner verlassen die Kanzlei, nur um woanders festzustellen, dass das OS dort genauso veraltet ist.
Die Lösung: Ein neues OS für die Kanzlei-Struktur: OS 2.0
Wachstum braucht Professionalisierung durch klare Rollentrennung und Delegation:
- Die Partnerschaft: Fokus auf Mandatsakquise, Fach-Exzellenz und die strategische Richtung (The „What“).
- Das Managing Board: Ein Gremium, das echtes Mandat zur Entscheidung hat und nicht bei jeder Briefmarke die gesamte Partnerschaft fragen muss.
- Der COO (Chief Operating Officer): Profis für Prozesse. Ein COO führt die Business Services und das Backoffice als integrierte Einheit, standardisiert Abläufe und entlastet die Partner von administrativen Grabenkämpfen.
Führung ist kein „Nebenbei-Job“ für Anwälte, gerade in größeren Einheiten!
Wenn die Partnerschaft im Wettbewerb auf Dauer erfolgreich sein will, muss sie das Management-Handwerk genauso ernst nehmen wie das juristische Handwerk. Das bedeutet: Vertrauen in Management-Rollen (COO, HR, IT), Mut zur Delegation. Dazu braucht es klare Spielregeln, gute Regelkommunikation und saubere Eskalationsprozesse.
