Der ehrliche Mandantencheck: Wie tief blicken wir wirklich hinter die Fassade?

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Stellen Sie sich eine typische Partnerrunde vor: Erfahrene Köpfe, exzellente Juristen, beeindruckende Mandate. Wenn die Frage nach der Mandantenbindung fällt, herrscht meist Einigkeit: „Wir sind nah dran. Die Qualität stimmt. Man kennt sich.“

Doch wenn man die Lupe ansetzt und nach konkreten, proaktiven Impulsen außerhalb des laufenden Geschäfts fragt, wird es oft still. Das ist kein Vorwurf an die Professionalität, sondern ein Spiegelbild des Kanzleialltags: Im “Hamsterrad” der abrechenbaren Stunden bleibt die strategische Beziehungsarbeit oft auf der Strecke.

Gerade in deutschen Kanzleien, in denen Business Development häufig eher intuitiv als strukturiert genutzt wird, liegt hier eine riesige Chance für den einzelnen Anwalt. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern darum, vom reinen „Problemlöser auf Abruf“ zum echten „strategischen Begleiter“ zu werden.

Die Rolle des Anwalts im Zeitalter von KI: Vom juristischen Experten zum Partner

In wirtschaftlich volatilen Zeiten suchen Mandanten mehr als nur rechtliche Sicherheit. Sie suchen jemanden, der ihre Branche versteht und Herausforderungen sieht, bevor sie zum Rechtsfall werden. Als Anwalt sind Sie das Gesicht der Kanzlei. Ihre persönliche Initiative ist der Motor der Beziehung. Die Kanzlei wiederum sollte nicht nur der Ort der Leistungserbringung sein, sondern die Instanz, die Ihnen den Rücken freihält und Ihnen die Werkzeuge gibt, um diese Nähe überhaupt herstellen zu können.

Impulse für eine neue Form der Mandantennähe

Echte Nähe ist kein Zufallsprodukt, sondern eine Entscheidung. Hier sind fünf Ideen, wie Sie und Ihre Kanzlei diesen Weg gemeinsam beschreiten könnten:

1. Freiräume für „Investivzeit“ schaffen

Mandantenpflege ist Arbeit, auch wenn sie nicht sofort auf dem Zeiterfassungskonto erscheint. Eine moderne Kanzlei und ihre Business Services unterstützt ihre Partner dabei, indem sie diese „Investivzeit“ als wertvollen Beitrag zum Kanzleiwert anerkennt. Es hilft, wenn die Kanzleiführung signalisiert: Ein persönlicher Besuch beim Mandanten ohne direkte Rechnung ist kein Zeitverlust, sondern eine Investition in die Zukunft. Die Berücksichtigung im Gewinnverteilungssystem wäre ebenfalls sinnvoll. 

2. Das Wissen der Kanzlei bündeln

Oft weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Die Business Services der Kanzlei kann hier als Unterstützungsinstanz glänzen, indem sie Informationen über Branchen-Trends  der Industrie- resp. Sektorengruppen zentral aufbereitet. So gehen Sie als Anwalt nicht mit leeren Händen in ein Gespräch, sondern mit einem echten Mehrwert für den Mandanten.

3. Den Dialog institutionalisieren

Statt auf den nächsten Anruf zu warten, könnten Sie feste Termine für ein „Update-Gespräch“ vorschlagen – einmal im Jahr, völlig losgelöst von laufenden Akten. Fragen Sie nicht: „Haben Sie ein rechtliches Problem?“, sondern: „Was plant Ihr Unternehmen für die nächsten Jahre? Welche Themen sind oben auf der Agenda?“ Die Kanzlei kann dies durch IT-Plattformen (CRM genannt) oder Feedback-Bögen unterstützen, damit der Aufwand für Sie gering bleibt.

4. Vernetzung als Service

Sie und Ihre Partner verfügen über ein riesiges Netzwerk. Sie können dabei unterstützen, Mandanten untereinander oder mit Experten zu vernetzen. Ein kurzes Intro kann für den Mandanten wertvoller sein als ein langes Gutachten. Sie müssen nur deren Bedarfe kennen. 

5. Individuelle Servicestandards

Jeder Mandant „tickt“ anders. Die Kanzlei kann helfen, indem sie einfache Strukturen schafft, in denen die spezifischen Wünsche eines Schlüsselmandanten (z. B. Kommunikationswege, Reporting-Formate) für das gesamte Team hinterlegt sind. Das entlastet Sie und sorgt für eine konsistente Qualität.

Die Checkliste: Wo stehen Sie heute?

Nehmen Sie sich kurz Zeit für Ihren wichtigsten Mandanten. Gehen Sie die letzten sechs Monate im Geist durch. Wo können Sie bereits heute mit „Ja“ antworten? Wo liegen spannende Ansätze für das nächste Halbjahr?

Zählen Sie Ihre „Ja“-Antworten:

  • Persönlicher Besuch: Waren Sie in den letzten sechs Monaten beim Mandanten vor Ort, ohne dass ein akutes Projekt abgerechnet wurde?
  • Einblick in den Alltag: Haben Sie (vielleicht sogar honorarfrei) an einer internen Sitzung oder einem Strategietag des Mandanten teilgenommen?
  • Bühne bieten: Haben Sie dem Mandanten die Möglichkeit gegeben, in Ihrer Industrie- oder Praxisgruppe über seine Sicht auf die Branche zu sprechen?
  • Brücken bauen: Haben Sie den Mandanten aktiv mit einem anderen Experten oder Geschäftspartner vernetzt, der ihm weiterhelfen konnte?
  • Gemeinsame Erlebnisse: Haben Sie eine Branchenmesse oder einen Kongress besucht, um die Themen des Mandanten „live“ zu erleben?
  • Aktives Zuhören: Haben Sie ein Gespräch geführt, das ausschließlich der Bedarfsanalyse und dem Feedback diente, und die Erkenntnisse mit Ihrem Team geteilt?
  • Hausaufgaben gemacht: Kennen Sie die aktuellen Geschäftsberichte oder den Strategieplan des Unternehmens im Detail?
  • Branchen-Radar: Verfolgen Sie aktiv die Fachmedien des Mandanten und senden Sie ihm gelegentlich relevante Artikel mit einem persönlichen Kommentar?
  • Digitaler Schulterschluss: Haben Sie sich darüber ausgetauscht, wie moderne Tools die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Rechtsabteilung des Mandanten vereinfachen können?
  • Team-Briefing: Gibt es in Ihrer Kanzlei ein kurzes Dokument, das festhält, wie dieser spezifische Mandant betreut werden möchte (Servicestandards)?

Was Ihr Ergebnis bedeutet:

  • 8 bis 10 Punkte: Sie sind ein strategischer Partner. Der Mandant sieht in Ihnen weit mehr als einen Dienstleister.
  • 4 bis 7 Punkte: Eine starke Basis ist da. Mit etwas mehr Unterstützung durch Kanzleistrukturen könnten Sie die Bindung noch deutlich vertiefen.
  • 0 bis 3 Punkte: Die Beziehung ist funktional. Hier liegt das größte Potenzial, durch kleine, proaktive Schritte die Loyalität massiv zu steigern.

Wie wäre es, wenn wir gemeinsam schauen, wie wir diese Prozesse in Ihrer Kanzlei leichtfüßig und ohne großen administrativen Überbau etablieren können? Gerne reservieren Sie sich einen Termin!

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