Es geht um Geld: Warum Wirtschaftsprüfer und Steuerberater an PE verkaufen werden

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Um den „Mehrwert“ durch den Eintritt von PE zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass eine klassische Partnerschaft wie ein Cashflow-Maschine funktioniert (alles, was reinkommt, wird am Jahresende verteilt), während ein Private-Equity-Modell wie eine Wertsteigerungs-Maschine funktioniert.

Dieses Rechenbeispiel illustriert, wie sich die finanzielle Welt eines Partners durch den Einstieg von Private Equity im besten Fall verändert:

1. Status Quo: Die klassische Partnerschaft (Vor PE)

Ein Partner hat einen Gewinnanteil von 500.000 € pro Jahr.

  • Auszahlung: Er entnimmt diese 500.000 € als Privatentnahme.
  • Unternehmenswert: Da die Firma den Partnern gehört und Gewinne sofort ausgeschüttet werden, hat der Anteil des Partners keinen liquiden „Marktwert“, den er einfach verkaufen könnte (außer beim Ausscheiden gegen eine Abfindung nach Buchwert). Im Wo/StB/Patentanwaltsmarkt finden sich Nachfolger-Käufer nur noch schwer!

2. Die PE getriebene ‚Kanzlei‘

PE bewertet die Kanzlei z. B. mit dem 10-fachen EBITDA (üblich: 5-10 fach). Der Partneranteil wird nun mit 3 Mio. € bewertet.

  • Cash-out (60%): Der Partner erhält 1,8 Mio. € sofort auf sein Bankkonto (nach Steuern ein erhebliches Vermögen, zumal zu reduzierten Steuersatz, wenn nach dem 55. Lebensjahr veräußert).
  • Rollover (40%): Er muss 1,2 Mio. € in die neue „Holding“ reinvestieren. Er ist jetzt Mitgesellschafter neben PE.

3. Die neue laufende Rechnung (“15 %” und das Gehalt)

Nach dem Deal ist der Partner kein „Eigentümer-Unternehmer“ mehr, sondern „Management-Gesellschafter“.

  • Neues Gehalt: Er erhält nun ein festes Gehalt (z. B. 300.000 €) plus einen Bonus. Er „verzichtet“ also laufend auf ca. 200.000 € im Vergleich zu früher.
  • Der Einbehalt: Diese 200.000 € (multipliziert mit 200 Partnern = 40 Mio. €) bleiben in der Firma.
  • Die Verzinsung: Sein Re-Invest von 1,2 Mio. € verzinst sich intern. Wenn man von einer Zielrendite (IRR) von 15 % p.a. spricht, bedeutet das:
  • Nach 5 Jahren sollen aus seinen 1,2 Mio. € durch Zinseszins ca. 2,4 Mio. € geworden sein.
    4. Woher kommt der “Magic” Mehrwert beim Exit?
    Das Ziel von PE ist der „Second Exit“ nach ca. 5 Jahren. Der Mehrwert entsteht durch drei Hebel:

1. Hebel: Gewinnsteigerung: durch KI und Outsourcing steigt die Marge von 20% auf 25%. Folge: Höhere Basis für Bewertung.
2. Hebel: Größenvorteil: durch Zukäufe verdoppelt sich der Umsatz. Folge: Massive Skaleneffekte.
3. Hebel: Multiple Expansion, indem PE für das 10-fache EBITDA kauft und die „Global Platform“ für das 14-fache verkauft! Dies ist der größte Gewinneffekt.

Beispielrechnung Exit (nach 5 Jahren):

  • Der Partner hat über 5 Jahre insgesamt 1,5 Mio. € Gehalt bezogen.
  • Beim Verkauf der gesamten Gruppe durch PE wird sein 40%-Anteil (der auf 2,4 Mio. € angewachsen ist) fällig.
  • Gesamtvermögen nach 5 Jahren: 1,8 Mio. (Tag X) + 2,4 Mio. (Exit) + 1,5 Mio. (Gehalt) = 5,7 Mio. €.
    Ohne PE hätte er in der gleichen Zeit „nur“ 5 x 500.000 € = 2,5 Mio. € verdient. Der Mehrwert für den Partner ist also die Verdopplung seines Vermögensaufbaus bei gleichzeitigem Risiko-Transfer auf den Investor.

Die Risiken:

Die 15 % interne Verzinsung sind keine Garantie. Wenn die Kanzlei stagniert oder die Integration scheitert, kann der Rollover-Anteil von 1,2 Mio. € auch an Wert verlieren. Zudem verliert der Partner seine volle Autonomie – er hat jetzt einen “Chef” in Form des PE-Investmentkomitees.

Außerdem: Darin enthalten sind alle Fehleinschätzungen, die wir z.B. schon im Rahmen der Fusion anderer PSF gehört haben: Großartige Kosteneinsparungen, Margeneffekte durch internationalen Einkauf, Skaleneffekte… in der Realität nur in begrenztem Umfang zu realisieren, und nur unter der Voraussetzung, dass man sich sehr gut in den einzelnen Bereichen auskennt.

Umgekehrt ist die Diskussion spannend, wofür der Kapitalzufluss genutzt werden soll: Zukäufe! Die Gesellschaften sollen in den fünf Jahren nach Plattformkauf deutlich wachsen. Absolut wachsen Umsatz und Gewinn, allerdings könnte das notwendige qualitative Wachstum ausbleiben. Auch die beschriebenen Skaleneffekte lassen sich erst im Zeitablauf unter der Voraussetzung, dass sich die Zukäufe gut integrieren lassen, realisieren…

Also nicht wenige Risiken, die zu beachten sind!

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