Die neue Future Ready Lawyer Studie 2026 von Wolters Kluwer macht deutlich: KI hat sich im Rechtsmarkt etabliert. Sie ist kein Experiment mehr, sondern ein fester Produktionsfaktor.
Was bedeutet das konkret für Leiter:innen von Rechtsabteilungen?
- Inhouse-Teams gewinnen an Wertschöpfung, Effizienz und Einfluss
- 79% der Rechtsabteilungen bauen ihre Technologieinvestitionen aus oder halten sie zumindest auf gleichem Niveau.
- 75% der Rechtsabteilungen stufen technologisches Fachwissen bei Jurist:innen als wichtig oder sehr wichtig ein, deutlich mehr als auf Kanzleiseite.
- 46% der Jurist:innen rechnen damit, dass Inhouse-Teams künftig an Gewicht gewinnen und seltener auf externe Kanzleien zurückgreifen.
→ Wer KI fest in Research, Vertragsarbeit und Dokumentenprüfung integriert, arbeitet effizienter und festigt die eigene Rolle als trusted advisor.
- Die abrechenbare Stunde gerät unter Druck
- 67% der Befragten aus Rechtsabteilungen gehen davon aus, dass KI-getriebene Effizienzgewinne die abrechenbare Stunde spürbar zurückdrängen und alternative Preismodelle vorantreiben.
- Über die Hälfte erwartet, dass Routinetätigkeiten wie Recherche, Dokumentenautomatisierung und Vertragsentwürfe verstärkt zu ALSPs wandern, aus Kanzleien wie aus Rechtsabteilungen.
→ Wer heute weiterhin ausschließlich Stunden einkauft, trifft de facto eine Strategieentscheidung für den Status quo.
- Vertrauen, Sicherheit und KI-Governance werden zur gemeinsamen Währung
- 46% benennen Datenschutz und Cyber-Bedrohungen als zentrale Sorgen der Informationssicherheit.
- Nur 34% fühlen sich auf die kommende KI-Regulierung sehr gut vorbereitet, ebenso sehen sich nur 34% der Rechtsabteilungen für steigende Anforderungen an die Informationssicherheit sehr gut aufgestellt.
→ Ohne klare Leitplanken für KI-Nutzung, Informationssicherheit und Compliance wird aus Effizienz schnell ein Reputationsrisiko.
Was bedeutet das für Heads of Legal? 6 strategische Prioritäten
- KI klar verankern: weg von einzelnen Tools, hin zu einer durchgängigen KI-Strategie entlang der juristischen Wertschöpfung (Research, Drafting, Review, Analyse).
- Kompetenzen systematisch aufbauen: 70% werten technologisches Fachwissen als wichtiges Rekrutierungskriterium. Das Upskilling des bestehenden Teams wird damit zur Führungsaufgabe, nicht zur IT-Frage.
- Vertrauen und Sicherheit aktiv steuern: Informationssicherheit, Governance und klare Leitplanken für die KI-Nutzung sind die Grundlage, um Vertrauen zu sichern.
- Mandatierungs- und Sourcing-Strategie neu denken: Welche Tätigkeiten (Recherche, Standardverträge, Reviews) sollen in zwei bis drei Jahren nicht mehr als abrechenbare Kanzleistunden laufen, sondern intern oder bei ALSPs, gestützt durch KI?
- Vergütungsmodelle aktiv verhandeln: Wenn 67% der Rechtsabteilungen mit einem Rückgang der abrechenbaren Stunden rechnen, gehören Caps, Pauschalen und Value Pricing in jede Panel-Review und jeden Kanzlei-Pitch.
- Gemeinsame KI- und Sicherheitsstandards mit Kanzleien etablieren: Outside-Counsel-Guidelines sollten klare Vorgaben zu KI-Einsatz, Datenschutz, Informationssicherheit und menschlicher Kontrolle enthalten, inklusive Tools, Trainings und Audit-Rechten.
Mein Fazit: „Future ready" bedeutet, Technologie, Menschen und Governance bewusst zusammenzudenken und die Spielregeln mit Kanzleien aktiv neu zu setzen.
Wo steht eure Rechtsabteilung auf diesem Weg: noch im Ausprobier-Modus oder schon mitten in der aktiven Gestaltung der neuen Handlungsfelder?
